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Entspannung in der Psychotherapie

Systematische Entspannungsverfahren zählen zu den am besten untersuchten und wirkungsvollsten Methoden in der Psychotherapie (Grawe 1994[1], Krampen 2004[2]). Die mangelnde Fähigkeit, die eigene Entspannung zu regulieren, ist nicht nur für Stress und Stressfolgen verantwortlich, sondern spielt bei nahezu allen psychischen und körperlichen Störungen eine Rolle im Krankheitsgeschehen. Entspannungsverfahren sind nicht in Mode. Sie sind – im besten Sinne des Wortes – Klassiker. Ihre Hauptvertreter, die Progressive Relaxation und das Autogene Training wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt. Bis heute haben sie jeden Trend überdauert und gehören zum Standardrepertoire von Präventions- und Therapiemanualen. Fast jeder Mensch kann systematische Entspannung lernen und gewinnbringend für sich nutzen. Die Verfahren weisen kaum Kontraindikationen auf und sind nebenwirkungsarm. Neben der allgemeinen Gesundheitsvorsorge können sie gezielt zur, meist unterstützenden, Behandlung von Störungen eingesetzt werden. Unabhängig von einer vorliegenden Erkrankung senken sie die Grundanspannung und wirken hierdurch vorbeugend ebenso wie lindernd. Beherrschen wir ein Entspannungsverfahren stärkt das zudem Variablen wie Selbstwirksamkeit und Kontrollüberzeugung oder, allgemeiner, unsere Fähigkeiten zum „Selbstmanagement“ (vgl. Kanfer et al. 2006[3]). Da Entspannung ein so basaler Bestandteil unseres Lebens ist, wird jedoch oft davon ausgegangen, dass keine besondere Kompetenz nötig sei, um Entspannungsverfahren anzuwenden oder sie, etwa im Rahmen einer Psychotherapie, zu vermitteln. Zum Teil führt diese Haltung dazu, dass Entspannung lediglich empfohlen oder kurz vorgestellt und dann in die Verantwortung des Patienten übergeben wird. Werden Übungen in der Therapiesitzung angeleitet, reicht deren Effekt oft nicht über diese hinaus und der Patient entwickelt keine eigenständige Übungsmotivation, welche jedoch für die Nutzung als langfristiges Selbsthilfeinstrument notwendig wäre. So sind die rückgemeldeten Effekte meist bescheiden und die Entspannung für die Therapie von zunehmend nachgeordneter Bedeutung. Neben der Vermittlung von Entspannung als Selbstregulationsstrategie wird vor allem auf therapeutische Anwendungsmöglichkeiten und Modifikationen bei diversen Störungsbildern und Interventionen eingegangen, etwa bei Expositionsverfahren, Gedankenexperimenten, Schlafstörungen oder der Alptraumtherapie. Wesentliche Vermittlungs- und Motivationsprinzipien werden in den Seminaren ebenso besprochen wie die größten Fehler und deren Vermeidung. Im Seminar lernen Sie systematische Entspannungsverfahren, ihre Indikation und Kontraindikation, Vorübungen, Konzentrationshilfen und Adaptionen für unterschiedliche Anwendungsbereiche (u. a. psychische Störungen und psychosomatische Beschwerden) kennen. Der Verfahrensschwerpunkt liegt auf der Progressiven Relaxation. Neben dem Standardverfahren werden Abwandlungen und spezifische Anwendungsmöglichkeiten in der Psychotherapie, etwa bei Angst-, Trauma- und Schlafstörungen, vermittelt. Weitere Verfahren, v. a. das Autogene Training, werden im Überblick dargestellt. Die Vermittlung systematischer Entspannung als Selbsthilfe-/ Selbstregulationsverfahren wird erläutert, die Adaption bei Lernerschwernissen und relativen Kontraindikationen vermittelt. Unterschiede in der Anwendung mit Kindern und Jugendlichen sowie Vorschläge für alternative Vorgehensweisen und spezielle Methoden werden vorgestellt. Aktuelle Studienergebnisse zu Wirksamkeit und Einsatzmöglichkeiten werden flankierend präsentiert. [1] Grawe, K. (1994). Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. 2. Auflage. Göttingen: Hogrefe. [2] Krampen, G. (2004). Differentielle Indikation von Autogenem Training und Progressiver Relaxation. Entspannungsverfahren, 21, 6-27. [3] Kanfer, F. H., Reinecker, H. & Schmelzer, D. (2006). Selbstmanagementtherapie. Berlin: Springer. Inhalte im Überblick • Grundlagen von Entspannung und Entspannungstherapie • Indikation und (relative) Kontraindikation, Anwendungsspektrum • Systematische Entspannungsverfahren im Überblick • Dos und Don´ts in der Entspannungstherapie • Progressive Relaxation: Standardvorgehen, Modifikationen bei Lernerschwernissen • Einleitung von Übungen, Suggestionen und Variationen, Ankermöglichkeiten • Spannungsfeld Hetero- und Autosuggestivität • Konzentrationshilfen und Reaktionserleichterungen • Im Überblick: Autogenes Training (Vorgehen in der Vermittlung, Vor- und Nachteile) • Störungsspezifische Adaptionen von Verfahren (Angst- und Traumabehandlung, Alptraumtherapie…) • Einsatz bei psychosomatischen Beschwerden (u. a. Bluthochdruck, Tinnitus, Schlafstörungen) • Probleme beim Erlernen von Entspannung, Störungen im Verlauf, Notfallinterventionen • Entspannung mit Kindern und Jugendlichen: Abwandlungen der Standardverfahren und ergänzende Methoden und Techniken (u. a. Fantasiereisen)
Hartmann-Strauss Susanna
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